Gerhard Schwarz
1973 – 2021

 

Es sind die Zeilen, die man nicht schreiben will, ja kaum schreiben kann. Es fehlen die Worte und die Gedanken wollen sich nicht sortieren. Gerhard hat lange und unglaublich tapfer gegen seine Krankheit gekämpft. Trotz aller Ungewissheit und der vielen Rückschlägen blieb er immer kämpferisch, optimistisch und positiv. Sehr oft nahm er seine Erkrankung sogar zum Anlass für humorvolle Kommentare. Damit wollte er uns trösten. Letzten Freitag den 18. Juni. 2021 hat Gerhard uns verlassen. Wir sind unendlich traurig, aber auch dankbar für jeden Moment, der uns mit ihm geschenkt wurde.  

Gerhard war gleichermaßen ein zentraler Mitstreiter für die Anliegen der Wissenschaftscommunity, wie er uns ein Freund war. Die Plattform Registerforschung wäre eine andere, hätte er sie nicht maßgeblich geprägt und als strategischer Mastermind gelenkt. Wahrscheinlich gäbe es die Plattform ohne ihn schon nicht mehr. Viele von uns wollten öfter das Handtuch werfen. “In Österreich kann man nichts erreichen”, war unsere Meinung. Aber Gerhard war nicht so. Aufgeben, das gab es nicht, nie.

Die Plattform Registerforschung hat sich vor mehr als drei Jahren gegründet. Der Gründungsidee lag die Hoffnung zugrunde, mit einem neuen Anlauf die Rahmenbedingungen für Registerforschung maßgeblich verbessern zu können. Allerdings war uns klar, dass man aus den gescheiterten früheren Versuchen lernen musste und das Thema dauerhaft zu “betreuen” sein würde. Was das genau bedeuten sollte, konnten wir uns zum damaligen Zeitpunkt alle nicht vorstellen. Mit einer Ausnahme: Gerhard war sich bewusst, dass wir nun alle einen weiteren Nebenjob angenommen hatten. Fast täglich haben wir in den letzten drei Jahren meist in den Abend- und Nachtstunden lange darüber geredet (oder meistens gechattet), wie wir beim Datenzugang für die Wissenschaft vorankommen können. 

Nicht immer ging es jedoch um die Registerforschung im engeren Sinn, oft waren aktuelle Anlässe Auslöser für witzige, wie bissige Bemerkungen über den Zustand der Welt. Am Ende jedes abends war klar, Gerhard hat den schärfsten Blick, auf was rund um uns passiert. Durch die vielen gemeinsamen Stunden Arbeit an den Zielen der Plattform, aber auch in gemütlichen und bierseligen Runden abseits davon sind wir zu echten Freunden geworden, die sich vertrauen und gegenseitig unterstützen.

Gerhard war unsere Stimme. Eine, die nach außen vielleicht nicht so sichtbar war, unseren Ton aber immer bestimmt hat. Jeden Kommentar und jeden Text, den wir zum Thema Datenzugang für die Wissenschaft geschrieben haben, ging irgendwann durch seinen Kopf und seine Finger. Am Ende hatten wir dann zumeist einen Text, der nur noch in Spurenelementen dem Erstentwurf entsprochen hat. Er machte aus allem einen “Gerhard Schwarz-Text”, der in einer unnachahmbaren Art und Weise unsere Anliegen scharfsinnig auf den Punkt gebracht hat.    

Gerhard war unser Mastermind. Er hat uns vor vielen Dummheiten und schlechten Ideen bewahrt. Sein kluges, vorausschauendes Denken war für die Plattform zentral. Ohne Gerhard wären wir naiv in jede Falle getappt, die es bei Politikprozessen nun mal gibt. Die unzähligen Entwürfe, die es zum Bundesstatistikgesetz in den letzten Jahren gegeben hat, hat er mit seiner juristischen Expertise auf Herz und Nieren geprüft und im Sinne der Wissenschaft verbessert. Seine zentralen Forderungen finden sich alle im aktuellen Entwurf zur Novelle des Bundesstatistikgesetzes wieder. 

Sollte die Novelle des Bundesstatistikgesetzes jemals beschlossen werden, dann wird es ein “Lex Gerhard Schwarz” sein. Mit Gerhard verliert die Plattform ihren wichtigsten Mitstreiter. Die Lücke, die er als Mensch hinterlässt kann nicht gefüllt werden. Gerhard wird uns immer fehlen. Als Plattform können wir nur versuchen in seinem Sinne unsere Arbeit für einen besseren Datenzugang für die Wissenschaft fortzusetzen. In Gedanken sind wir bei Gerhards Familie und Angehörigen, denen wir unser tief empfundenes Beileid aussprechen wollen. Fly high Gerhard! Scientia metum fert.

Harald Oberhofer und Michael Strassnig für das Zentralkommitee der Plattform Registerforschung

Wien, 21.6.2021

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